robotspaceship: Wie holt man PR in die Zukunft?

Jannis Johannmeier: (lacht) Das hat natürlich mehrere Dimensionen. Einerseits, glaube ich, ist die PR-Welt sehr dienstleistungsorientiert gewesen. Das heißt, du hast Auftraggeber:innen, die dir sagen, was zu tun ist.

Normal, oder? Es ist ja auch eine Dienstleistung?

Da gibt es mehrere Punkte, an denen wir schon eingreifen. Wir schauen uns erstmals an: Sind die Auftraggeber:innen es wert, dass wir uns mit ihnen beschäftigen. Sind sie es wert, dass man ihre Ideen, Visionen oder Botschaften in die Welt trägt?

Was wäre es denn nicht wert?

Braucht es wirklich noch Kommunikation für die Tabakindustrie oder die Waffenlobby oder whatever? Man kann darüber natürlich hoch und runter diskutieren.

Aber wir sagen, bestimmte Sachen brauchen nicht noch bessere Kommunikation. Leute können ja rauchen, wenn sie das wollen. Aber wir müssen uns dafür nicht noch etwas Geiles ausdenken. Das ist so das Erste.

Und das ist in der eigentlichen PR-Welt egal? 

Ja, an vielen Stellen schon. Wenn du Geld für etwas bekommst, tust du es

Wie machen wir weiter?

Wir machen so weiter: Wenn wir uns für etwas begeistern können und sagen “Ja, das lohnt sich.“, dann wollen wir nicht nur in der Kommunikation, sondern in der ganzen Wertschöpfungskette dabei sein. Das kann teilweise bis in die Entwicklung von Ideen oder Produkten gehen.

Warum?

Weil wir sagen, dass PR nicht gut sein kann, wenn du 80 Prozent des Unternehmens nicht kennst und dann die letzten 20 Prozent ein bisschen schickimicki machen sollst.

Aber die Kund:innen haben doch eben das Geld, von dem ihr lebt.

Ja! Diese Denke ist ja auch ganz schön weit verbreitet. Bei uns ist der Kunde aber eben kein König mehr. Man kann halt nicht alles so machen, wie der promovierte Jurist es will, wenn man als Kommunikator:in weiß, dass es so scheiße wird.

Das klingt zumindest mal mutig.

Na ja, wir arbeiten ja dann schon im Sinne der Kund:innen. Auch wenn wir darauf achten, dass wir sagen was ist, betonen wir manche Dinge sicher mehr, als Journalist:innen das zum Beispiel tun würden. Es ist ja doch immer noch PR.

Wie sieht die denn konkret aus?

Wir kommunizieren ganzheitlich. Wir sprechen nie übers Produkt, sondern immer über die Geschichte dahinter. Wir sprechen auch nicht nur über das, was toll war, sondern eben auch über das, was nicht so gut war. Die Tiefen gehören eben zu einer Reise dazu.

Unsere Kommunikation fordert ein, dass unsere Partner:innen sich öffnen und eben auch sagen, wo die Herausforderungen und die Probleme liegen und wie man diese dann eben angehen kann. Es geht nicht bei jeder Geschichte darum, Applaus zu bekommen.

Wenn ihr euch anschaut, wie ein Unternehmen tickt, das mit euch zusammenarbeiten will: Geht es da um Produkte oder um einen ganzheitlichen Blick?

Wir schauen da schon ganzheitlich drauf. Wer uns zum Beispiel nicht in irgendeiner Form glaubhaft versichern kann, dass er auf ESG-Kriterien achtet – dann wird das nichts mit uns. Und, klar, dann geht es eben auch darum, wie diese Menschen gestrickt sind, wie ihre Ziele sind und was sie vorhaben. Zur Wahrheit gehört, dass es dann eben oft nicht passt.

Du hast es eben gesagt, ihr wollt Teil der Wertschöpfung eines Unternehmens sein. Soweit verständlich. Aber was bedeutet es, wenn du sagst, dass ihr an der Produktentwicklung beteiligt seid?

Ja, das stimmt. Wir wollen nicht einfach 80 Prozent dessen, was ein Unternehmen macht, nicht mitbekommen und dann auf den letzten 20 Prozent irgendein Schickimicki machen. Sonst kommen wir ja auch da hin, dass wir denken, dass ein Unternehmen eigentlich totalen Schmu macht und wir trotzdem für es arbeiten. Wir reden immer auf Visions-Ebene. Und wenn wir durch den Prozess durch sind, kann das tatsächlich bedeuten, dass unsere Partner:innen erkennen, was sie mehr und was sie weniger machen sollten. Das ist für mich dann auch Produkt.

Kannst du Beispiele für Partner:innen geben, die so mit euch agieren?

Klar! Marantec hat mit uns eine richtige Transformationsreise hingelegt. Die sagten über sich selbst, dass sie halt ein guter, aber irgendwie doch unsexy Mittelständler sind. Ein sogenannter hidden Champion. Jetzt sagen sie über sich, dass sie ein guter und wichtiger Mittelständler sind – ein open Champion. Die machen Lärm und zeigen, was sie können. Wir haben daraus jetzt sogar ein eigenes Unternehmen gegründet: Open Champion. Unsere Kommunikation setzt also darauf an: Wenn das das große Bild ist, auf das ihr setzt, dann können wir daraus jetzt auch neue Geschäftsmodelle entwickeln, die zu eurer Vision passen. Vielleicht passen sie sogar besser als das, was ihr jetzt 30 Jahre lang gemacht habt. Bei Seidensticker sieht das ganze so aus, dass die nach über 100 Jahren jetzt eine Unisex-Linie entwickelt haben. Für unsere Generation klingt das wie Kicki, aber wenn sich so ein Traditionsunternehmen von Grund auf dreht, dann ist das ganz schön was. An anderer Stelle es manchmal aber auch einfach darum, Dinge zu kommunizieren, die vielleicht nicht so toll gelaufen sind – also, wenn es eine Zeit lang nicht so gut gelaufen ist, das auch zu zeigen. Immerhin können andere dann aus Fehlern lernen.

Platte Frage: Aber warum sollten Unternehmen das denn machen? Die bezahlen euch ja dafür, gut auszusehen.

Klar, aber was ist denn „gut aussehen“? Ich glaube eben nicht, dass gut aussehen bedeutet, dass man fehlerfrei ist. Im Gegenteil. Wir wollen mit Kommunikation für einen gesellschaftlichen Wandel sorgen. Wir wollen zeigen, dass auch große Player Fehler machen. Wie sollen wir denn sonst zeigen, was wirklich passiert – oder was eben nicht passiert?

Innovative PR ist also ehrlich?

Sie ist ehrlich, sie ist wertegetrieben und sie skizziert ein möglichst authentisches Bild für die Öffentlichkeit.

PR

Wer ist Jannis Johannmeier?

Jannis Johannmeier ist einer der Gründer:innen der Bielefelder Agentur The Trailblazers. Gegründet mitten in der Pandemie, kennt das Unternehmen seit dem nur eine Richtung: nach vorne. Johannmeier und seine Mitgründer:innen Kristof Albrink und Jule Bolzenius haben es wie nur wenige verstanden, die Öffentlichkeit auf sozialen Medien für ihre Sache zu nutzen. 

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Bastian ist Wirtschaftsjournalist und Content Consultant.

Er ist an der Deutschen Journalistenschule ausgebildet worden. Vor seiner Selbständigkeit hat er bei Business Punk und Capital gearbeitet.

Bastian Hosan
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